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Die Reden der Feier



Grußwort zur IJK-Jubiläumsfeier am 20. November 2010
Susanne Rode-Breymann

Sehr gern folge ich der Einladung, als Präsidentin der HMTMH dem IJK heute aus Anlass des 25jährigen Instituts-Bestehens Glückwünsche zu überbringen. Zu allem, was in diesen 25 Jahren in diesem Institut geleistet wurde, beglückwünsche ich Sie alle sehr herzlich und mit großer Hochachtung. Für alles, was Sie in den kommenden 25 und mehr Jahren vorhaben, wünsche ich Ihnen Glück und anhaltenden Erfolg.

25 Jahre – das ist aus der Perspektive vieler Universitäten eine sehr kurze Zeitspanne für ein wissenschaftliches Institut. 25 Jahre – das ist aus Musikhochschulperspektive eine staunenswert lange Zeitspanne, denn wo besteht an einer der deutschen Musikhochschulen ein ausgewiesenes wissenschaftliches Institut seit 25 Jahren? Das Silberjubiläum des Instituts für Journalistik und Kommunikationsforschung ist mithin ein institutionelles Phänomen: Die Verschiedenheit künstlerischer und wissenschaftlicher Logik, die Ferne zwischen Musik und empirischer Forschung – mit der HMT und dem IJK sind zwei charakterstarke Partner eine Ehe eingegangen. Ehen zwischen starken Charakteren sind, wie man weiß, nicht immer einfach. Wenn sie aber halten und sich dabei die Beziehung vertieft und die wechselseitige Achtung und Verlässlichkeit wachsen, dann ist die Freude über das Silberjubiläum umso größer.

So geht es mir heute, denn die Beziehung der durchaus individualistischen Partner hat sich soweit entwickelt, dass sogar der Schritt zu einem gemeinsamen Familienname getan wurde. Die Idee, das IJK im Namen der Hochschule zu verankern, wurde seit Dezember 2009 in der Hochschule diskutiert, vom Senat der Hochschule beschlossen und im Juni 2010 durch das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur bestätigt. Pünktlich zum Silberjubiläum sind die beiden Partner willens, einen gemeinsamen Namen zu tragen, was durch das neue Hochschul-Logo deutlich nach außen getragen wird.

Es bleibt zu hoffen, dass sich in den kommenden Jahren auch der weit entfernte zweite Wohnsitz überlebt und ein Zusammenleben in größerer partnerschaftlicher Nähe möglich sein wird. Es gibt gute Gründe, näher zusammen zu ziehen: Verbindendes wie etwa der Masterstudiengang „Medien und Musik“, also eine engere interdisziplinäre Verzahnung innerhalb der Hochschule, braucht räumliche Nähe, um sich entfalten zu können. Die „Ehe“ zwischen IJK und HMTMH hat also, so nehme ich es wahr, die komplizierten Jahre hinter sich, und die Freude an der Verschiedenheit, aus der Funke zu schlagen sind, dominiert. Aus dieser Annäherung heraus werden in den nächsten 25 Jahren neue, spannende Entwicklungen entstehen: In 25 Jahren wird es selbstverständlich sein, dass das IJK ein integraler Bestandteil der Hochschule ist, dass die Hochschule das, was sie ist, auch durch das IJK ist und dass gerade die spezifische Gemeinsamkeit möglich macht, Verantwortung für die Musikkultur in einem breiten Sinn zu übernehmen, denn das Performative bedarf immer der sie begleitenden Kommunikation, der Analyse und der reflektierenden Gegenrede.

Analyse und reflektierende Gegenrede müssen sich in künstlerischen Hochschulen ihren Weg bahnen, denn die Priorität des Performativen prägt die Aufmerksamkeits-Horizonte innerhalb von Musikhochschulen und verengt diese hinsichtlich der Wissenschaften. Das IJK hat sich dadurch verschiedentlich in der paradoxen Situation des im eigenen Lande wenig geltenden Propheten wiedergefunden. Davon blieb die Leistungsstärke des Instituts in Forschung und Lehre allerdings glücklicherweise vollkommen unberührt: Qualität und Quantität der Ausbildung und Nachwuchsförderung, Drittmitteleinwerbungen, (internationale) Kooperationen, Forschungserträge, Forschungstransfer und beeindruckende Werdegänge der AbsolventInnen – das Standing des IJK in der scientific community ist hervorragend. Forschend, lehrend, studierend entfalten sich im IJK Motivation und Kreativität.

Die unbeirrte Leistungsstärke nötigt Respekt ab und lässt nachdenken, worauf sie gründet und woraus sie entsteht. Wesentlich dafür ist die Qualität der hier Lehrenden, Studierenden, Arbeitenden – und die liegt, so mein Eindruck, auch im Zusammenhalt untereinander. Was ich im IJK immer als höchst positiv wahrnehme, ist das Miteinander, die klare Identität. Bei meinen inneren Überlegungen, das für die heutigen Glückwünsche zu thematisieren und zu beschreiben, sind mir immer wieder Familien-Analogien in den Sinn gekommen. Familien-Analogien für ein so hervorragendes Institut, das stets mit Bestnoten in den Bereichen Forschung und Lehre im renommierten CHE-Ranking ausgezeichnet wird – ist das angemessen? Stuft das Wissenschaft nicht herab? Damit ist man im Zentrum des Nachdenkens über funktionierende, leistungsstarke Wissenschaft. Rationalität des Denkens, Validität der Methoden, Objektivierbarkeit von Aussagen – warum scheint uns diese Seite von Wissenschaft, die im IJK auf exzellente Weise gelebt wird, aus einer anderen Sphäre zu kommen als Menschlichkeit? Ist nicht viel mehr die Menschlichkeit, die „familiäre“ Solidarität und Verlässlichkeit, die perspektivierende, ermutigende Kraft, die Wissenschaft vorantreibt? Und warum scheinen derzeit wissenschaftliche Nahverhältnisse so verdächtig? Ist es nicht nachvollziehbar, dass wissenschaftliche Institute wie das IJK, die ihren Nachwuchs – wie es im optimalen Fall in Familien geschieht – mit aller nur denkbaren Sorgfalt und großer menschlicher Verantwortung ausbilden, diese exzellenten Absolventen und Absolventinnen gern lehrend am eigenen Institut halten möchten? Kein Handwerksmeister müsste sich verteidigen, wenn er mit Blick auf den Firmenerfolg seine besten Gesellen weiterbeschäftigt.

Und noch ein Wort zur beneidenswert klaren Identität des IJK: Hier kommen mir Analogien zu Nationalstaatenbildungsprozessen in den Sinn: in der Abgrenzung gegen ihresgleichen gestalteten die Nationalstaaten ihren Charakter, fanden ihre Identität. In diesem Sinne war es möglicherweise eine besondere Chance für das IJK, sich bisweilen fremd in der HMT zu fühlen und daraus Impulse zur Identitätsbildung zu bekommen.

Um in dieser Metaphorik weiterzudenken: Wir hätten dann jetzt in der Hochschule genau das zu leisten, was wir innerhalb der EU zu leisten haben – nämlich zu begreifen, dass vom Einigungsprozess jeder „Staat“ profitiert – und das sei zum Schluss betont: Die Voraussetzungen für anhaltende Erfolge des IJK und seiner Absolventinnen und Absolventen sind exzellent und werden dem Institut weiterhin erste Plätze in Rankings sichern – egal wie gut sich Vernetzungen innerhalb der Hochschule werden realisieren lassen. D.h. das IJK hat qualitätvolle Eigenständigkeit. Die Annäherung zwischen den Kernbereichen der Hochschule und dem IJK ist deswegen keinesfalls allein die Aufgabe des IJK, das sich in die Hochschule integriert, sondern auch eine Aufgabe der Hochschule, die das IJK hinein nimmt. Nur Veränderungen auf beiden Seiten machen den Weg frei hin zu einer Hochschule, die fasziniert ihre Besonderheit darin erkennt, dass sie das Potenzial hat, Klangräume und Schrifträume miteinander zu verschränken. Emblem dieser Zukunft ist die im Akronym HMTMH sichtbar werdende Symmetrie.

Dem IJK wünsche ich eine glückliche und weiterhin erfolgreiche Zukunft.